english version Komponist Alberto Hemsi Musik von Alberto Hemsi mit Tehila Nini Goldstein & Jascha Nemtsov Jascha Nemtsov Home


Yacov Hazan von der Insel Rhodos, einer von Hemsis Informanten
Yacov Hazan von der Insel Rhodos, einer von Hemsis Informanten


Heft 1 der <I>Coplas sefardies</I>, <BR>Edition orientale de musique, <BR>Alexandria 1932
Heft 1 der Coplas sefardies,
Edition orientale de musique,
Alexandria 1932


Alberto Hemsi<BR>(Ende der 1960er Jahre)
Alberto Hemsi
(Ende der 1960er Jahre)


Coplas sefardies von Alberto Hemsi

Das Sammeln und Verbreiten der Musik sephardischer – ehemals in Spanien (hebräisch: Sepharad) beheimateten – Juden war Alberto Hemsis Lebensaufgabe. Zunächst sammelte er traditionelle Melodien und Texte im Kreise seiner Familie und Freunde, später ging er auf ausgedehnte Forschungsreisen im ehemaligen Osmanischen Reich. Der Höhepunkt seiner ethnologischen Tätigkeit fällt in die Zeit von 1928 bis 1935. Er traf türkische, bulgarische und palästinensische Juden und reiste im Sommer mehrfach nach Thessaloniki und Rhodos. Bekannt sind die Namen von insgesamt 65 Informanten. Von insgesamt 232 gesammelten Liedern benutzte Hemsi 60 für seinen Zyklus Coplas sefardies, die er in zehn Bänden herausgab.

Sephardische Familie aus Anatolien, <BR>Abbildung im letzten Heft der <I>Coplas sefardies</I>
Sephardische Familie aus Anatolien,
Abbildung im letzten Heft der Coplas sefardies

Die ersten fünf Bände erschienen in Alexandria von 1932 bis 1938 und die letzten fünf im französischen Exil von 1969 bis 1973. Der große Zeitraum, der zwischen den beiden Blöcken liegt, lässt sich mit den tragischen historischen Ereignissen erklären: die Vernichtung der sephardischen Gemeinde auf dem Gebiet des osmanischen Reichs durch die Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure sowie die Zerstörung des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur in den arabischen Ländern, darunter auch in seiner Wahlheimat Ägypten.

Um die Volkslieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entwickelte Hemsi die Form eines Kunstlieds, das die authentische volkstümliche Grundlage mit einer äußerst anspruchsvollen Klavierbegleitung verband. Diese Verbindung bildet einen besonderen Reiz der Coplas sefardies. Hemsi schrieb dazu: „Dieser Gesang zeichnet sich durch Improvisation und ständig veränderte Variation aus. Ursprünglich aus dem Osten, kehrt er dorthin zurück, nachdem er durch Sepharad gezogen ist. Niemals aufgeschrieben oder notiert, ist es ein natürlicher Gesang, erdacht anhand von Klängen und nicht Noten. Dies ist meiner Meinung nach der grundsätzliche, ja hauptsächliche Unterschied zwischen natürlicher und gelehrter Musik, zwischen populäre Musik und Kunstmusik, zwischen oraler und schriftlicher Musik, zwischen östlicher und westlicher Musik.“


© 24.09.2017 by Jascha Nemtsov. e-mail: feedback@musica-judaica.com